Der Mitropapokal – die vergessene Champions League

Der 1927 eingeführte Mitropapokal war der erste europäische Pokalwettbewerb an dem Vereine aus verschiedenen Ländern teilnahmen und damit ein Meilenstein der Fußballgeschichte. Er wird weitläufig als Vorgänger des Europapokals der Landesmeister und der heutigen Champions League angesehen, ist in Deutschland mittlerweile aber weitestgehend unbekannt. Der Grund liegt schlichtweg darin, dass nie eine deutsche Mannschaft an diesem Wettbewerb teilgenommen hat. Der offizielle Name des Wettbewerbs lautete La Coupe de l’Europe Centrale, Mitropapokal hingegen leitet sich aus dem Wort Mitteleuropa und dem Sponsor Mitropa ab, einer Eisenbahngesellschaft, in deren Waggons die Mannschaften ihre Auswärtsspiele erreichten.

"Čeština: Juventus Turin - Teplitzer FK v roce 1934, 4:2", oficial 1934, CC BY-SA 2.5 IT
Čeština: Juventus Turin – Teplitzer FK v roce 1934, 4:2„, oficial 1934, CC BY-SA 2.5 IT

 

Die Besten der Besten

Die Idee zu einem ersten länderübergreifenden Wettkampf von Vereinen hatte der Österreicher Hugo Meisl, seines Zeichens langjähriger Verbandskapitän und Generalsekretär des ÖFB und ebenso Trainer des österreichischen „Wunderteams“. Unter seiner Führung gab Österreich dem Fußball 1924 als erstes kontinentaleuropäisches Land überhaupt eine professionelle Ausrichtung. Nur ein Jahr später folgte Ungarn, 1926 die Tschechoslowakei. Diese Länder besaßen in den 20ern und 30ern des 20. Jahrhunderts eine Vormachtstellung im europäischen Fußball und versuchten diese durch den Pokal zu festigen. Einerseits war mit ihm ein Prestigegewinn wie heutzutage der Gewinn der Champions League, andererseits aber auch finanzielle Aspekte verbunden. Am 14. August 1927 fanden die ersten Spiele zwischen insgesamt acht Mannschaften aus Jugoslawien, Österreich, der Tschechoslowakei und Ungarn statt. AC Sparta Praha gewann das Finale mit 7:4 gegen SK Rapid Wien. Die Teilnehmer waren zu dieser Zeit hauptsächlich Meister, Vizemeister oder Pokalgewinner. Heute noch bekannte Teilnehmer waren unter anderem Juventus Turin, Lazio Rom, AS Rom, Austria Wien, Viktoria Pilsen oder Hajduk Split.

 

Die goldenen Jahre des Pokals

Teilweise mehr als 100.000 Menschen sahen sich in den nächsten Jahren die in Hin- und Rückspielen gegeneinander ausgetragenen K. o. -Runden an. An diesem Spielmodus änderte sich über die Jahre kaum etwas. Es gab zwar Diskussionen den Wettbewerb in eine Art Liga zu verwandeln, dieser Vorschlag scheiterte jedoch an Planungsschwierigkeiten – es wären wesentlich mehr Spieltage und damit Reisen nötig gewesen, was zu etlichen Überschneidungen mit nationalen Spielplänen geführt hätte. Im Gegensatz zum Spielmodus änderten sich die Teilnehmer aber fast jede Saison. Nur zwei Jahre nach Start des Wettbewerbs wurden die jugoslawischen Teams durch italienische Mannschaften ersetzt. 1934 durften dann vier anstatt der bisher zwei Mannschaften pro Land antreten. 1936 wurden vier schweizerische Mannschaften zugelassen, 1937 rumänische und auch wieder jugoslawische Vereine. Die Anzahl der Mannschaften pro Land änderte sich daher fast jährlich. Spätestens 1938 holten die politischen Ereignisse den Mitropapokal ein: nach der Annexion Österreichs wurde nun ausgerechnet den Vereinen des Gründerlands die Teilnahme verwehrt. 1940 wurde der Wettbewerb aufgrund des zweiten Weltkrieges unterbrochen und auf unbestimmte Zeit eingestellt.

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Der langsame Untergang

Durch italienische und österreichische Bestrebungen wurde der Mitropapokal nach Ende des zweiten Weltkriegs ab 1955 weitergeführt, konnte aber nie wieder an seine Bedeutung der Vorkriegszeit anknüpfen. Beim Finale in Budapest 1956 waren zwar noch 110.000 Zuschauer anwesend, die Begeisterung ebbte aber schon bald ab. Andere Pokalwettbewerbe wie der 1955 neu gegründete Europapokal der Landesmeister verdrängten ihren inoffiziellen Vorgänger zusehends.  Meister und Pokalsieger nahmen nun eher an diesen Wettbewerben teil, der Mitropapokal verkam immer mehr zur Bühne für mittelmäßige Klubs. In den 80ern wurden sogar die Meister der zweiten Ligen zugelassen. Vor allem italienische Teams, die bisher noch keinen Titel gewonnen hatten, sahen in ihm eine Chance, wenigstens eine Trophäe ihr Eigen nennen zu können. Als US Foggia – Gastgeber der letzten Austragung 1992 – gegen Borac Banja Luka verlor, wurde der Wettbewerb allerdings endgültig eingestellt. Das Finale sahen gerade einmal 900 Zuschauer. Ganz begraben ist der Pokal aber dennoch nicht: seit 1991 findet in den Grenzregionen Österreichs, der Slowakei und Ungarns ein Amateur-Mitropacup statt.

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